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Der Weingärtner und sein Paradiesgarten

Text: Andreas Keller

Franz Graf von Pfeil vom Weingut Kränzel in Tscherms bei Meran muss sich wohl wie der liebe Gott fühlen. Denn er hat einen wundervollen Paradiesgarten geschaffen und mit allerlei fantastischen Lebewesen bevölkert.

Der Vergleich mit Gott ist dem Grafen fern. Der Leidensdruck des Weinverkaufs habe ihn so weit gebracht: «Die Weinvermarktung liegt mir persönlich nicht. Ich bin lange auf die Messen gegangen, aber das hat mir nicht zugesagt. Dann habe ich nicht mehr einen Galeristen gesucht, sondern eine... weiterlesen

Der Vergleich mit Gott ist dem Grafen fern. Der Leidensdruck des Weinverkaufs habe ihn so weit gebracht: «Die Weinvermarktung liegt mir persönlich nicht. Ich bin lange auf die Messen gegangen, aber das hat mir nicht zugesagt. Dann habe ich nicht mehr einen Galeristen gesucht, sondern eine eigene Galerie gemacht.» Der Erfolg der Freilichtgalerie gab ihm Recht. Schon Ende 2006 erhielt sein Labyrinthgarten den Preis der Südtirol Marketing Gesellschaft für die innovativste umgesetzte Marketingidee, eine kunstvolle und nicht künstliche Erlebniswelt passend zur Destination Südtirol.

Das Erleben der Erlebniswelt erstreckt sich, wie uns Graf Pfeil in der Vinothek erklärt, «über die vier Zweige Labyrinth-Garten-Wein-Kunst, vier Zweige, die sich berühren, ineinander wachsen, einen Baum bilden und etwas Einzigartiges werden lassen, eben den Labyrinthgarten Kränzel». Kernstück bildet der über dreitausend Quadratmeter grosse Irrgarten von Gernot Candolini, dessen anderthalb Kilometer langes Wegnetz mit Reben- und Eibenhecken eingefasst ist. Hier kann man sich tatsächlich verirren, wenn man nicht genau aufpasst und sich von den Vogelscheuchen ablenken lässt.

Hat man endlich den Ausgang des Irrgartens gefunden, der ebenso wie der Eingang von zwei rostigen, gebogenen Stangen markiert ist, steht man mitten auf der Bühne des grünen Theaters, dessen dreizehn Geländestufen das Publikum zum Sitzen einladen. Hier oben ist es, als hätte man das Leben mit all seinen Tücken hinter sich gelassen. Man blickt auf das plötzlich klein wirkende Labyrinth und kann nicht mehr verstehen, warum man sich dort so lange aufhalten und dabei verirren konnte. Der luftige Garten mit seinen zahlreichen Kunstwerken ist doch viel schöner und reizvoller.

Wir naschen von den vielen köstlichen Beeren und Früchten des Paradiesgartens, wie uns das empfohlen worden ist. Nur eine Frucht findet man hier nicht: den Apfel. Für den Labyrinthgarten mussten alle Apfelbäume weichen: «Äpfel interessieren mich nicht. Da gibt es nichts zu veredeln. Beim Wein ist das ganz anders. Ich mache den Wein nicht für den Kunden, sondern für mich», meint Graf Pfeil, während wir in der romantischen, ehemaligen Miil (Mühle) die kreative Küche von Othmar Raich geniessen, «und dann versuche ich Kunden zu finden, die das mögen.»

Mit geheimnisvoller Miene schenkt uns der Graf ein Glas des weissen Vino da Tavola Corona Losnummer 2009 ein, an dem von den Rebsorten bis zur Vinifikation alles ein Segreto (Geheimnis) ist, und fährt dann fort: «Mit meinen Weinen versuche ich im Einklang mit der Natur Kunst zu machen. Darum gleicht kein Jahrgang dem anderen. Die Künstler, denen wir unseren Garten zur Verfügung stellen, um hier einmal jährlich ihre Werke zu wechselnden Themen zu präsentieren, können auch nicht jedes Jahr dasselbe Kunstwerk machen. Alles ist stetig im Wandel. Nichts ist fassbar.»

Adresse

Weingut Kränzel, Gampenstrasse 1, I-39010, Tscherms, Auf Google Maps zeigen

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