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Laufen im Hoch

Text: Christina Gubler

Keine Bange: Zwar trainiert hier auch Champion Viktor Röthlin, aber Südtirol bietet Laufbegeisterten auf jedem Niveau etwas an. Von Genussroute bis Volkslauf bleibt kein Fuss am Boden.

Als Marathon-Europameister und Schweizermeister über 10 Kilometer muss der Mann topfit und mit einer starken Pumpe ausgerüstet sein. Doch jetzt steht Viktor Röthlin da in seinem Trainingsanzug, zeigt Richtung Puflatschalpe – eine flache Erhebung der Seiser Alm – und sagt: «Für mich zu... weiterlesen

Als Marathon-Europameister und Schweizermeister über 10 Kilometer muss der Mann topfit und mit einer starken Pumpe ausgerüstet sein. Doch jetzt steht Viktor Röthlin da in seinem Trainingsanzug, zeigt Richtung Puflatschalpe – eine flache Erhebung der Seiser Alm – und sagt: «Für mich zu steil.»

Wie das? Just dort oben ist eine nach ihm benannte Laufrunde ausgeschildert, und er selber schafft es nicht hinauf? Der Widerspruch ist rasch aufgelöst: Es geht nicht um Können, sondern um die richtige Konditionierung des Körpers. Als Langstreckenspezialist sollte der Athlet aus Obwalden Steigungen meiden – auch beim Höhentraining. Und genau deshalb bestreitet er nun schon den dritten Sommer einen Teil seiner Wettkampfvorbereitung an der Seite des kenianischen Welteliteteams auf der Seiser Alm. Denn das zwischen 1800 und 2300 Meter gelegene, mit 56 Quadratkilometern grösste Bergplateau Europas bietet für jeden Läufertyp ideale Routen.
Überhaupt: Ganz Südtirol ist ein einziger Running Park. Entlang alter Bewässerungskanäle, zwischen Reben und Apfelbäumen, in gebirgigem Gelände – allenthalben finden sich Tracks für gemütliches und ambitioniertes Joggen. Viele sind mit Wegweisern markiert. Vom Frühjahr bis zum Spätherbst stehen zudem Laufveranstaltungen unterschiedlichster Anforderungsgrade auf dem Programm, für welche sich auch viele Lauftouristen eine Startnummer überstreifen.

Zum Beispiel Maja Luder-Gautschi. Drei bis vier Mal pro Jahr macht die Zürcher Oberländerin mit ihrer vierköpfigen Familie Ferien in Südtirol. «Weil die Gegend wunderschön und vielfältig ist, die Küche vorzüglich schmeckt und man freundlichen Menschen begegnet», sagt sie begeistert. Wenn möglich verbänden sie und ihr Mann den Aufenthalt jeweils «mit einem Läufli». In ihrem Fall gar mit grossem Erfolg: Seit 2005 stand sie beim Volkslauf rund um den idyllischen Bergsee am Reschen stets auf dem Podest. Vier Mal ganz oben. Den Sieg trug sie 2011 auch beim Frauenlauf davon, der dem Etschufer folgend mitten durch die mediterrane Kurstadt Meran führt. 2008 hat sie zudem den Kalterersee-Halbmarathon gewonnen.

Auf dem Putting Green vor dem Hotel auf der Seiser Alm widmet sich der Olympiasechste Viktor Röthlin inzwischen dem nachmittäglichen Zeitvertreib. Mit seinen Sparringpartnern aus dem afrikanischen Kontinent – im internationalen Laufwettbewerb seine harten Konkurrenten – locht er um die Wette Golfbälle ein. Von Ferien mag er aber nicht reden. Schliesslich muss er die ganzen drei Wochen lang jeden Morgen und Abend in die Laufschuhe steigen und Kilometer abspulen, und «der Körper hat am Anfang Mühe, den Trainingsumfang zu tolerieren».

Die Natur um sich herum weiss er trotzdem zu schätzen. Unterwegs habe er stets «diese faszinierende Dolomitenkulisse» vor Augen und zu Füssen «eine wahnsinnig schöne Alpenflora». Und vielleicht gehe er dann doch noch auf den Puflatsch. In der Mittagspause, mit der Seilbahn. Denn das Panorama soll dort noch himmlischer sein – besonders von der Aussichtsplattform in der Nähe des Bergrestaurants aus. Sie heisst Engelsrast.

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